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| GAESTE IM TEERAUM | ||||
RAINER SCHULZER | ||||
Ich bin an die Bedeutsamkeit von Werten erinnert worden. Als zumeist enthusiastischer Anhänger einer Tugendethik hat mich die gestalterische Kraft überrascht, mit der Werte hier eine Lebensform hervorgebracht haben. Gute Eigenschaften zu haben, mag Bedingung der Moralität der Person sein, aber sie entbinden nicht von der Aufgabe, inhaltlich das Richtige zu tun. Als bloßer Modus der Moralität geben die Tugenden keine besondere Richtung vor. Allein aber sich nie schlecht zu verhalten, reicht nicht aus. Schließlich muss das Gute getan werden. Werte sind die inhaltliche Bestimmung des Guten. Nur durch sie werden uns konkrete Ziele aufgegeben. Naturschutz, soziale Gerechtigkeit, Gesundheit, Weltfrieden. Zu sehen, wie diese Ideen einem Leben eine harmonische Form geben können, ist mir das erfreulichste Beispiel. In ihrem Zusammenspiel erzeugen die Ideen des Guten ein schönes Gefüge, in dem der Mensch hoffen darf glücklich zu werden. Die Lebenskunst liegt hier darin, den Werten Wirksamkeit zu erlauben mit der Zuversicht, dass Schönheit die Belohnung sein wird. An nur einem Objekt entfalten sich die Praktiken, durch welche diese Ideen Realität gewinnen. Der Tee, der hier getrunken wird, ist biologisch angebaut, fair gehandelt, gesund und anregend. Seine Ästhetik ist so naturnah, wie menschenfreundlich. | MARIMO RAKU JAPAN KUNST | |||
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Tee bedeutet Klarheit und Filigranitaet, etwas, das mit Tradition und Wissen beladen ist: es ist eine Herausforderung, mit dieser Beladung angemessen umzugehen. Also auch: mit Vorsicht und Misslingen. Kunst, die entschiedene und radikale Fragen stellt, die auch weh tun duerfen, die das Denken nicht stillstellen laesst. Die einen nicht an die Hand nimmt, einen nicht lenkt. Die einen nicht irgendwo abholt. Die nur funktioniert, wenn man bereit ist, sich darauf einzulassen, und sonst leer ausgeht. Die nichts darstellt oder zeigt, sondern die oeffnet, oeffnet, oeffnet, und zwar weniger chronologisch als in der Gleichzeitigkeit. Die sich verletzlich macht, und zerbrechlich ist. Die etwas riskiert und keine Position bezieht. Die das, worum es geht, nicht benennt, weil es sich nicht benennen laesst. Die von Leichtigkeit gepraegt ist. Vergaenglichkeit bedeutet Schmerz - und die Hoffnung, diesen zu ueberwinden, um die Vergaenglichkeit feiern zu koennen! Aber auch Transformation, Zwischenzustaende, die die Bruecke zu etwas anderem schlagen, auf etwas anderes verweisen. Ein gutes Gespraech zeichnet sich dadurch aus, dass man auch schweigen kann, und sich streiten darf. Dass man wirklich zuhoert, und sich einlaesst. Dass moeglichst wenig Routiniertes passiert. Dass man ehrlich ist, vor allem auf emotionaler Ebene. Dass man den anderen auch auffaengt. Dass man sich liebt. Dass man aufhoert, sich etwas beweisen zu muessen. | PSYCHOLOGIE KUNST HUMANISMUS | |||
YOICHI SAKAI (Germanist) Nichts Besonders, doch gerade deshalb unvergesslich | TEE KULTUR MATCHA | |||
Wann trinkt man gruenen Tee? Wozu trinkt man ihn ueberhaupt? In Japan habe ich ihn vor, nach und waehrend einer Mahlzeit getrunken. Selbstverstaendlich auch waehrend der Unterhaltung mit meiner Familie, Freunden oder Bekannten. Das Gruene-Tee-Trinken halte ich deshalb fuer voellig banal. Eines Tages hatte ich aber ein besonderes, so ein "gemuetliches" Gefuehl, als ich Gruenen Tee trank, nachdem ich ihn im Ausland sehr lange Zeit nicht getrunken hatte. Ich weiss nicht, ob das an meiner Gewohnheit in der Heimat liegt. Seitdem ist das Trinken des gruenen Tees wieder alltaeglich. Um den gruenen Tee zu loben, kann man heute schoene Worte machen. Hier wuerde ich hingegen nur darauf hinweisen, dass man in Japan sagt: Einmal sehen ist besser als hundert Mal hoeren (Hyaku bun ha, ikken ni shikazu). Zudem sage ich: Ein Mal "erfahren" ist besser als hundert Mal "lesen". "Einfach mal Trinken" waere also nicht schlecht! | ||||
ANDREAS MALKMUS | ||||
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Bei Gruenem Tee denke ich gleich auch an
"Omanjuu", die japanischen Suessigkeiten, die man zum Tee isst.
Besonders gerne trinke ich Sencha, Mugicha und Habucha. Habucha ist der
Tee von Habusou. Es ist chinesischer Tee, und man verwendet ihn als
Naturheilmittel. Bei bildender Kunst gilt
meine Vorliebe August Renoir. Mein liebstes Bild von ihm heisst "a girl
with a watering-can" (1876). Als ich zum ersten Mal seine Werke sah,
war ich noch sechs Jahre alt. Mit meiner Mutter war ich in einer
Ausstellung, und habe in die Augen des franzoesischen Maedchens
geblickt, das etwa im gleichen Alter war, wie ich damals, und ihr
Aussehen kam mir sehr exotisch vor. Den Gedanken an Vergaenglichkeit
verbinde ich auch mit Liebe. Liebe ist sehr schoen, aber oft ist Liebe
auch sehr vergaenglich. In einem Augenblick scheint es so, als koennten
Jahre mit einer geliebten Person einfach zerfallen. | ||||
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JULIA BAIER | ||||
Tee, ein zarter Gruß der Natur, schenkt
Klarheit, schmeckt nach Leben, gibt mir die Moeglichkeit, Stille zu
erfahren: Subtile Geraeusche wahrzunehmen, vom Alltagslaerm oft
uebertoent, deren Widerhall in mir zu beobachten. Gespraeche
finde ich aeußerst spannend, wenn sich meine Gedanken und Worte mit
denen anderer wie im Tanz vereinen, Wendungen, Richtungswechsel und
Impulse den eigenen bisherigen Bewegungsfluss erweitern. Manchmal
genieße ich es aber auch, anderen bei ihrem Tanz zuzusehen. Gemeinsames
Teetrinken vereint Klarheit und Impuls, Linie und Schwung, Ruhe und
Tatkraft, Schlichtheit und Kunst. Kunst
ist die Unruhe in den Herzen der Menschen, Mittler zwischen
unmanifestem und materiell-greifbarem, große Not der Menschen, Wunsch,
das Brennen im Innern zu offenbaren. Aber was brennt in uns? Die
Hoffnung, der Vergaenglichkeit etwas entgegen zu setzen, etwas zu schaffen, das bleibt, das verändert, das Spuren hinterlaesst? | ||||
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SEBASTIAN BLASIUS
ANDREAS MALKMUS
MEIKO ANDO
CLAUDIA SEGL